Mehr Licht!

Mehr Licht! Menschgemachte Helligkeit.

Urung trug eine Art kleines Schiffchen aus Baumrinde mit sich. Darin versammelte er Zunder und Glut. Im Inneren der fellbespannten Hütte nahm er kleine Holzstückchen und machte ein Feuer. Es wurde warm, hell und es konnte gekocht werden. Allen in der Hütte tränten die Augen, manche husteten, die Kinder weinten, schliefen aber bald ein.

Vom glimmenden Span in der Hütte bis zur Stromsparlampe ist es ein langer Weg. Für jeden einzelnen Entwicklungsschritt gab es einen Antrieb, einen Grund. Oder sollte einfach nur die Nacht zum Tag gemacht werden? Licht und Helligkeit haben ihren Ursprung im Feuer. Das zeigt sich auch in der Terminologie. Noch heute „brennt“ eine Glühbirne oder eine LED. Das Feuer hatte bis vor ein paar hundert Jahren noch mehr zu leisten. Neben der Beleuchtung schaffte es Überlebensmöglichkeiten in dem es  wärmte, Lebensmittel genießbarer machte und wirtschaftliche Entwicklung voran trieb. Feuer war ein Grundelement für den kulturellen Erfolg jener Menschen, die es beherrschten. Feuer war so entscheidend, es besitzt in seiner gezügelten und auch ungezügelten Form noch immer eine fast magische Anziehungskraft auf Menschen.

Aodh (vom altirischen aed „Feuer“) brachte seiner Frau ein Stück der Jagdbeute. Im Haus war es mäßig hell, eine Öllampe spendete wenig Licht. In der Mitte des Hauses brannte das Feuer. Klein, warm und qualmend hielt es einen Topf mit Getreidebrei auf Temperatur.  

Im Laufe der Jahre kristallisierten sich für die Eigenschaften des Feuers Spezialbereiche heraus. Daher sind heute Kochen, Heizen und Licht voneinander getrennt und werden nicht mehr als einheitlicher Verband betrachtet. Dies ging einher mit der Weiterentwicklung der Beleuchtung.  Ist die Fackel noch eine Zwischenstation – Basis des Beleuchtungsgerätes ist immer noch ein Holzscheit – wird es bei der Entwicklung von Öllampe und Kerze richtig spannend. „… Während der Holzscheit und die Fackel durch den Brennvorgang physisch vernichtet werden, brennt die Flamme um den Docht ohne jedes Anzeichen von Zerstörung. „ [1] Bis dahin war Feuer, egal für welchen Nutzen, immer mit der Gefahr von direkter Zerstörung verbunden.

Charles Dickens, Great Expectations: I was never allowed a candle to light me to bed, and, as I went upstairs in the dark,…

In die künstliche Beleuchtung kehrte so etwas wie Ruhe ein. Diese Ruhe spiegelte sich auch in der Weiterentwicklung der Helligkeit wider. Bis ins 18. Jahrhundert änderte sich an dem „Dochtprinzip“ nicht viel. Lediglich Brennstoff – Kerze und Wachs, Lampe und Öl – veränderten sich und der Docht erfuhr die eine und andere Verbesserung. Niemandem fiel etwas Besseres ein. So wurde im späten 17. Jahrhundert Versailles bei entsprechenden Feierlichkeiten von 24.000 Kerzen beleuchtet.  Beleuchtungsorgien waren den Königen und Höflingen vorbehalten. Licht war kostbar. Im bürgerlichen Alltag wurden Kerzen und Lampen nur gewinnbringend und nicht zur Unterhaltung eingesetzt. Sie dienten der Verlängerung der Arbeitszeit.

Ludwig Börne betrat 1824 die Firma Watt & Bolton in Soho, Birmingham: „Das Gaslicht ist zu rein für das menschliche Auge, und unsere Enkel werden blind werden.“

Arbeit war denn auch die Triebfeder um einen entscheidenden Schritt hin zur Massenbeleuchtung zu machen. Das Gas selbst war ein „Kind“ der Arbeitswelt, der aufkeimenden Industrie Englands im späten 18. Jahrhundert. Es entstand als Nebenprodukt bei der Verkokung von Kohle. Ein anderes Nebenprodukt, der Teer, wurde im Schiffbau genutzt, das Gas verpuffte anfänglich einfach in die Luft. Nach Entdeckung seiner Leuchtleistung lag es nahe das Gas an Ort und Stelle zur Erhellung der Arbeitsumgebung zu verwenden. Gaslicht war anfänglich umstritten. Zwar lobte jeder das gleichmäßige Licht, doch eine Flamme ohne Docht – das war unheimlich. Selbst Abgeordnete des britischen Unterhauses stellten 1810 wegen des fehlenden Dochtes das Gaslicht in Frage.

Charles Dickens, Hard Times. “The lights in the great factories, which looked, when they were illuminated, like Fairy palaces…”

Doch das Gas setzte sich durch und Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts „schossen“ – ausgehend von England – in ganz Europa die Gasgesellschaften wie Pilze aus dem Boden. Natürlich ließen die größeren Unglücke nicht lange auf sich warten. 1865 kamen in England zehn Arbeiter eines Gasversorgers ums Leben als eine Messstation explodierte. Zwar explodierten nicht die für alle sichtbaren und rieseigen Gasometer, aber genau da lag die Angst der Menschen. Diese riesigen Speicher, angefüllt mit Gas, erzeugten kein gutes Gefühl und mit der Explosionsangst hat die Gasindustrie bis heute zu kämpfen. Dazu kam ein wesentlicher Nebeneffekt, die Gasflamme verbrauchte mehr Sauerstoff je heller sie brannte. In geschlossenen Räumen wurde das zum Problem.

Bevor das elektrische Licht dem Gaslicht den Garaus machte, erlebte Gas ein kleines Comeback Ende des 19. Jahrhunderts. In Form des Gasglühlichtes (ein Glühstrumpf wurde durch eine Bunsenflamme zur Weißglut erhitzt) machte es dem aufkommenden Stromlicht Konkurrenz. „Es ist elektrisches Licht – ohne Elektrizität“, lautete eine werbliche Definition.

Das Gaslicht blieb in vielen Stadtbildern als Straßenbeleuchtung erhalten. Innerhalb geschlossener Räume setzte sich aber das elektrische Licht durch. Einer der Hauptgründe war der hohe Sauerstoffverbrauch der Gaslampen (s.o.), welcher immer öfter zu Kopfschmerzen bei ihren Benutzern führte. An der Decke von Theaterräumen wurden im Laufe eines Abends Temperaturen von bis zu 38° Celsius gemessen. Vergleichbar ging es in privaten Räumen zu.

Kommerzialrat Müggenbrock betrat das Cafè Bauer in Berlin mit Vorfreude. Sollte er seine Tageszeitung heute doch zum ersten Mal bei elektrischem Licht lesen.

So wurde die Erfindung der elektrischen Beleuchtung zwar als eine Imitation aber gleichzeitige Erlösung vom Gaslicht erlebt. Das neue Licht wurde als ruhiger, rückstandsfrei, ungiftig und explosionslos gefeiert. Diese positiven Eigenschaften übertrugen sich auch auf den zu nutzenden neuen „Brennstoff“, die Elektrizität. In ihr wurde bald ein allheilendes Element gesehen, welches nicht nur für Beleuchtungszwecke dienlich war. In der Landwirtschaft wurden Felder unter galvanischen Strom gesetzt um Erträge zu steigern. In der Medizin wurde Elektrizität wie ein Vitamin eingesetzt um Ermüdung zu bekämpfen und ein ganzer Zweig der Elektrotherapie bildete sich heraus. Ausläufer der Therapie wie der Elektroschock blieben bis ins 20. Jahrhundert erhalten. Selbst heute wird noch mit Reizstrom behandelt.

Die Möglichkeiten und Vorteile der Illumination durch Strom ließen auf der Pariser Weltausstellung von 1900 den „Palast der Elektrizität“ entstehen. Eine Lichtkunstwerk innen und außen in dem nicht nur Elektrizität verbraucht wurde. Der Palast diente der gesamten Weltausstellung als „Kraftwerk“. Dieser elektrische Lichtenthusiasmus hat sich bis heute erhalten (siehe auch reverbmag, Müll aus Licht) und nutzt letztendlich immer noch, wie vor über 100 Jahren, die Glühbirne als Medium. Verfeinerungen wie Leuchtstoffröhre, LED oder Energiesparlampe einmal ausgenommen.

Der Salzburger Umweltmediziner Gerd Oberfeld in seiner Infomappe: „Energiesparlampen erzeugen elektrische Felder. Fünf Prozent der Bevölkerung verspüren dadurch Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsprobleme.“

Und weiter? Immer weiter. Die Entwicklung wird kein Ende nehmen. Das Thema Lichtverschmutzung wirft Fragen auf und vielleicht, ähnlich wie beim Thema Entschleunigung, liegt die Lösung in einem innovativen Rückschritt und Beleuchtung wird wieder individualisiert. Aber nicht mit Docht und Kerze.

Weiterlesen

Wolfgang Schivelbusch, Lichtblicke, Fischer Verlage, ISBN 3-596-16180-0

Videos:

Licht aus Plastikflaschen: http://goo.gl/25A01

Bilder:

Lichtputzer kürzten (putzten) am Theater die Dochte der Kerzen um Rußbildung zu vermindern. (Quelle: wikipedia)

Palast der Elektrizität, Paris 1900. (Quelle: postcard-museum.com)


[1] Wolfgang Schivelbusch, Lichtblicke

Männer sind Schweine

Männer sind Schweine

Frauen auch – Eine Geschichte des Wild-Pinkelns

 

In unseren Breiten gilt „wildes Urinieren“ als ordnungswidriges Verhalten und wird zur Anzeige gebracht, wenn man erwischt wird. Das Thema kommt Jahr für Jahr im Spätsommer und in ganz Deutschland auf. Da finden die großen Volksfeste statt und die Menge an bedürftigen Besuchern scheint immer wieder die Menge an Toiletten zu übertreffen. Die Veranstalter finden es Jahr für Jahr weniger schlimm, wohl weil sie, anders als die Anwohner der Festwiesen, woanders wohnen. Doch, woran liegt es? Warum erleichtern sich Männer und Frauen nach dem Besuch einer Kirchweih oder anderer Großveranstaltungen so gerne öffentlich?

 

Weltweite Ächtung

Wild pinkeln gibt es überall auf der Welt. Die Problematik scheint aber, je nach Land unterschiedlich stark ausgeprägt. Schon vor fast zehn Jahren wurde der deutsche Tennisspieler Nicolas Kiefer um 2 Uhr Nachts auf einem öffentlichen Stück Rasen in Miami von einem Wachmann „niedergestreckt“ weil er mal musste. Dagegen wurde in Frankreich das “pipi rustique” durchaus toleriert und auch zelebriert. Allen Ländern gleich ist aber der Trend dem Wild Pinkeln einen Riegel vor zu schieben. So kostet das “Wildplassern” in den Niederlanden bis zu 445 Euro. In New York kostet es 50 Dollar. Begründung: Verbreitung einer “noxious liquid” (gefährlicher Flüssigkeit). In Singapur werden Sie für das gleiche Vergehen gleich mal eingesperrt. Die Strafen werden in den urbanen Zonen durchgesetzt, weniger auf dem Land. Ein Stadtbewohner ist durch „gefährliche Flüssigkeiten“ leichter zu beeindrucken. Legen Städter höhere zivilisatorische Maßstäbe an? Eher nicht, hier geht es um das massenhafte Aufkommen des Nierensaftes. Ein Mengenproblem. Pippi ante portas.

 

Männlein oder Weiblein?

Wer pinkelt öfter wild? Die Frage kann nicht abschließend geklärt werden. Aber Frauen bearbeiten das Thema Wildpinkeln deutlich intensiver im Internet. (->KLICK) Männer scheinen nur dann zum Wildpinkeln zu „stehen“ wenn es eben sein muss. Und dann auch gleich richtig. Kein Gebüsch, öffentlich. Dabei gibt es für Männer die gößere Zahl an Möglichkeiten und einfacher ist es auch noch. Keine Aufregung, liebe Damen. Ja, auch Frauen können im Stehen pinkeln, doch ist diese Technik nicht sonderlich verbreitet. Nur 11% der Frauen bekennen sich zum Stehpinkeln ohne Hilfsmittel (Quelle: http://wildpinkeln.kostenloses-forum.tk/).

 

 

Krank – einfach nur krank

Eine weit verbreitete Phobie namens Paruresis (griechisch: par = gestört, uresis = urinieren) darf beim Thema Wildpinkeln nicht außer Acht gelassen werden. Es ist der quälendste aber auch langweiligste Grund zum Wildpinkeln. Der oder die Müssende sucht hierbei die Einsamkeit, kann nicht, wenn jemand in der Nähe ist. Das Problem ist bei Männern aber deutlich weiter verbreitet als bei Frauen. Betroffene suchen in Selbsthilfegruppen Erleichterung indem sie sich für Konfrontationsübungen einen „Pee-Buddy“ zu legen. Der Pinkel-Kumpel hilft beim Gang aufs Örtchen um erste Hemmungen zu überwinden. Hier können Sie heimlich weiter lesen. (->KLICK)

 

Wieso, weshalb, warum?

Viele Gelehrte und Psychologen vertreten die Ansicht, dass Wildpinkeln auf einen archaischen, maskulinen Territorialtrieb zurückzuführen ist. Das heißt, der Mann legt beim Wildpinkeln, für alle weithin sichtbar, Zeugnis über seinen Besitzanspruch ab, indem es sein Revier mit Urin markiert.

Was sollen dann aber die Reihen von dutzenden Wildpinklern bei Volksfesten? Teilen die sich später das Gelände? Wäre es so einfach, dann würden die an die Theke pinkeln und laut „Alles meins!“ rufen. Das machen aber die wenigsten. Die sicherste Erklärung für Wildpinkeln: Das Muss siegt über den Verstand. Wenn es raus muss, dann müssen eben einfach nur genügend Gelegenheiten her. Zwei der vielversprechendsten Ideen:

 

The Pee-Tree von Joanita Herrenknecht

 

 

 

Kros-Urinale

 

 

Während sich der Baum noch in der Designphase befindet ist das Kros-Urinal schon verfügbar.

 

 

Infobox und Quellen:

Insidertipps für Frauen und Paruretiker http://wildpinkeln.kostenloses-forum.tk/

Paruresis: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2010-10/paruresis-sozialphobie/seite-1

Toilette der Zukunft: http://www.designbote.com/1535/die-toilette-der-zukunft

My Hirn is my Haustier

My Hirn is my Haustier
Fein hast Du das gemacht
Fein
So fein
Sooo fein
Ja, fein hast Du gereimt
Fein hast Du gereimt
So fein
Ja, mein Feines
Ja, mein Feines
Komm, Zuckerli
Für Chico
Der’s bestimmt versteht

Deutschland 2011

Weder        Brüderlich

Einigkeit     Oder

Noch           Freiheit

Recht          los

Doch            Alle

Unser          Streben

Aller             Hand aufs

Vaterland      Herz

Kniescheibe

Eine Kniescheib‘ ist nur äusserlich,

dahinter im Verborgenen sich,

ein Gelenk befindet, innendrin,

ohne dass macht Laufen keinen Sinn.

Die Stekke-Omma hockt im Sessel,

denn die Erkenntnis, wie e‘ Fessel,

drückt ihr kräftisch uff de Mut,

so sitzt se rum, fühlt sich net gut.

So verstreische die Sekunde,

der Zeiger dreht halt seine Runde.

Nach acht Minude ohne Sinn

hebt die Omma stramm ihr Kinn,

durchzucken sie die Endorphine,

es hellt sich auf die Trauermine.

„Isch musst‘s siebzisch Jahre net vermisse,

da iss jetzt letzlich druff geschisse.“

Schon schiebt se ab durchs Treppehaus‘,

bahnt sich den Weg zum Haus e’naus.

Mit stekkesteife Kniegelenke

steht Stekke-Omma vor der Schenke.

„Frau Wirtin, isch bin widder froh,

darauf einen Pikkolo!“

Feierabend

The sun goes down
where gehtse hin
dunkelgelb wie Bioegg
am Horizont – bald isse weg.
Auf hin da reimt sich Sinn.
Na dann, auf wiederschaun.

Geldwerter Wortteil

Wer soll das bezahlen?
Wer hat so viel Geld?
Würdest Du’s nicht reimen,
ich hätt’ es mir bestellt.

Nichts wird abbestellt!
Her mit den Allüren und mit dem Traktat.
Noch hab’ ich so viel Geld!
Es wär’ um jede einz’lne Zeile schad!